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Dominik Wagner im Interview

(c) Dominik Odenkirchen

»Ich finde den Kontrabass einfach cool!«

 

Kontrabassist Dominik Wagner im Gespräch mit Albert Seitlinger

 

 

Mit seinen 20 Jahren zählt er zu den großen Nachwuchshoffnungen auf seinem Instrument. Erst im Herbst 2017 gewann der junge Wiener Kontrabassist Dominik Wagner die Bradetich Double Bass Competition in den USA sowie einen ECHO Classic Award in der Kategorie Newcomer und konnte schon davor auf dem internationalen Klassik-Parkett kräftig punkten: als Gewinner des BASSEUROPE-Wettbewerb in Prag 2016 sowie mit zwei dritten Preisen beim »Eurovision Young Musician« in Köln und beim renommierten ARD-Wettbewerb in München.

 

Auch bei der Jeunesse ist der Ausnahmemusiker viel beschäftigt: Im Herbst 2016 präsentierte Dominik Wagner im Wiener Jeunesse-Zyklus »Kammerton« und im Rahmen einer Bundesländer-Tournee gemeinsam mit der jungen Wiener Klarinettistin Vera Karner das Projekt »Gassenhauer – Gassenbauer«, für das die beiden mit dem Fanny Mendelssohn Förderpreis 2016 ausgezeichnet wurden. Nach Studien an der Wiener Musikuniversität setzt Dominik Wagner seine Ausbildung derzeit in Nürnberg bei Dorin Marc fort. Bei der Jeunesse ist er am 10. März 2018  als Solist in Nino Rotas »Divertimento concertante« gemeinsam mit der Slowenischen Philharmonie zu erleben. Im Interview mit Albert Seitlinger erzählt Dominik Wagner von seiner Faszination für den Kontrabass, frühen Erfolgen und der Herausforderung von Bearbeitungen und neuen Werken für sein Instrument.

 

Wie bist du auf den Kontrabass gekommen?
Im Alter von fünf Jahren habe ich zunächst mit dem Cello begonnen, doch hat mich der Kontrabass schon sehr früh fasziniert. Mit zehn Jahren habe ich dann zum Kontrabass gewechselt. Wenn ich ehrlich bin, fand ich damals den Kontrabass einfach cool, wahrscheinlich wegen seiner Größe und der tiefen Tonlage.

 

Wodurch zeichnet sich der Kontrabass besonders aus?
Durch die große Tonfülle. Jeder Ton erzählt eine eigene Geschichte. Außerdem gibt es, was Tonfarben und das Vibrato betrifft, so viele Möglichkeiten. Neben der Bassfunktion kann man in den höheren Lagen auch unglaublich schöne Kantilenen spielen. Spieltechnisch ist der Kontrabass natürlich eine große Herausforderung. Neben den Kilometern, die man in der linken Hand zurücklegen muss, ist das größte Problem, dass die Spieltechnik des Instrumentes noch nicht besonders gut erforscht ist und man daher vieles selber herausfinden muss.

 

Als Solist orientierst du dich, so hast du einmal gesagt, vor allem an Cellisten. Wie ist das gemeint?
Es gibt zwar immer mehr Kontrabassisten, die auf einem sehr hohen Niveau solistisch spielen, aber was die interpretatorische Vielseitigkeit betrifft, sind die Cellisten uns Bassisten noch weit voraus. Ich will mich nicht damit zufrieden geben, »nur« alle Töne richtig zu spielen, ich versuche Interpretationen auf meinem Instrument schaffen, die mit den anderen Streichinstrumenten mithalten können. Daher orientiere ich mich an Cellisten, da das Cello das Streichinstrument ist, dass dem Kontrabass spieltechnisch und klanglich noch am nächsten ist.

 

Was fasziniert dich an Nino Rota und seinem »Divertimento concertante«?
Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich ein großer Fan von Nino Rota bin, besonders von seiner Filmmusik, wie der zu dem Film »Der Pate«. Das »Divertimento concertante« begleitet mich seit vielen Jahren, ich habe es u. a. bei einem meiner ersten großen internationalen Wettbewerbe Gespielt. Jedes Mal, wenn ich das Stück neu einstudiere, fallen mir Details auf, die ich davor noch nicht gesehen habe. Das »Divertimento concertante« ist übrigens angelehnt an eines meiner Lieblingswerke, nämlich Prokofjews »Sinfonia concertante«. Außerdem ist das Stück musikalisch so Vielseitig; man kann sich beim Spielen oder Hören sofort eine Geschichte vorstellen.

 

Welche Herausforderungen hinsichtlich Spieltechnik, Klang etc. stellt Rotas Werk an den Solisten?
Natürlich ist Rotas »Divertimento concertante« technisch gesehen sehr herausfordernd, aber was man am meisten für dieses Stück braucht ist ein großer und vielseitiger Ton. Außerdem beinhaltet das Stück eine enorm große Palette an Stimmungen, von Komik bis Trauer ist alles dabei.

 

Deine Karriere nimmt – u. a. mit einer Reihe von Preisen bei internationalen Wettbewerben – einen eindrucksvollen und rasanten Verlauf. Was sind deine Pläne und Wünsche als Musiker?
Als Bassist hat man letztendlich keine andere Wahl als an vielen Wettbewerben teilzunehmen, um Erfahrungen zu machen und gute Konzerte zu gewinnen. Daher habe ich in den letzten Jahren an sehr vielen Wettbewerben teilgenommen und glücklicherweise auch einige Preise dabei gewonnen. Momentan bin ich einfach sehr froh darüber, wie sich alles entwickelt. Pläne und Wünsche habe ich natürlich viele, aber ich möchte mich noch auf keine fixe Laufbahn festlegen.

 

Eine besondere Facette deines Repertoires sind Bearbeitungen von Kammermusikwerken, in denen du mit dem Kontrabass den Cellopart für dich einrichtest, z. B. in Beethovens »Gassenhauer-Trio«. Wie ist das musikalisch und technisch möglich?
Das Bearbeiten von Stücken ist für solistisch aktive Bassisten mittlerweile normal geworden. Wir haben zwar eigentlich ein sehr großes Repertoire, doch leider sind nicht so viele Werke von bekannten Komponisten dabei. Schon Beethoven hat seine Cellosonaten gemeinsam mit Domenico Dragonetti am Kontrabass gespielt und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Natürlich kann man nicht alles am Kontrabass spielen, doch solange man auf dem Kontrabass ein Stück musikalisch genauso sinngerecht wiedergeben kann wie auf dem Instrument, für welches das Stück ursprünglich geschrieben wurde, bediene ich mich sehr gerne am Repertoire anderer Instrumente. Wie man am Beispiel Beethovens sehen kann, geht das auch nicht gegen den Willen der Komponisten.

 

Du beschäftigst dich auch intensiv mit zeitgenössischer Musik, vergibst Kompositionsaufträge und erweiterst das Repertoire für den Kontrabass mit neuen Werken. Welche Erfahrungen hast du bis jetzt damit machen können?

Ich beschäftige mich sehr viel mit zeitgenössischer Musik, da es meiner Meinung nach wichtig ist, das Repertoire für den Kontrabass zu erweitern, sei es mit Kompositionsaufträgen oder mit Arrangements. Das Wichtigste ist für mich dabei, dass sich Komponisten mit den Stärken und Schwächen des Kontrabasses beschäftigen, bevor sie ein Stück für dieses Instrument schreiben. Ich habe damit schon sehr positive, aber auch negative Erfahrungen gemacht. Mit den Stücken meines Vaters [der Komponist Wolfram Wagner, Anm.] bin ich bis jetzt immer überglücklich gewesen. Das liegt natürlich daran, dass er sich viel mit der Literatur für Kontrabass beschäftigt hat, aber auch daran, dass er gezwungenermaßen viele Stunden täglich den Klang des Kontrabasses »ertragen« musste.

 

10.3. | Sa | 19:30 Uhr | Wiener Konzerthaus | Großer Saal

 

 

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Do 24.05.2018 | 19.30 | Wien

Susana Baca


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