Jeunesse - Musikalische Jugend Österreichs
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Jeunesse Programm
Jeunesse Weihnachtsabo | Musik ist ein Geschenk
20.-24.11. | Tournee | Julia Hagen & Annika Treutler
22.11. | Liederabend: Rafael Fingerlos

Rafael Fingerlos im Interview

(c) Theresa Wey

»Königsdisziplin« Lied

Bariton Rafael Fingerlos im Gespräch mit Albert Seitlinger

 

Der junge österreichische Bariton Rafael Fingerlos wurde in Tamsweg im Lungau geboren und studierte Sologesang an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Er ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und war 2015 Teilnehmer am Young Singers Project bei den Salzburger Festspielen. Danach gastierte er

u. a. an der Semperoper Dresden, bei den Salzburger und Bregenzer  Festspielen und am Teatro Real in Madrid. Seit Herbst 2016 ist Fingerlos Ensemblemitglied an der Wiener Staatsoper. Im Jeunesse-Konzert singt er, von Magda Amara am Klavier begleitet, Lieder u. a. von Franz Schubert, Peter Cornelius, Johannes Brahms und Wolfgang Rihm.

Den eigenen Klang zu finden hast du einmal als größten künstlerischen Erfolg bezeichnet. Wie kann man sich das vorstellen?
Die Entwicklung der Singstimme ist ein Prozess, der sich im Idealfall über Jahrzehnte entfalten kann, ja muss. Dem eigenen, authentischen Klang, den eigenen körperlichen Vorrausetzungen zu vertrauen ist dafür die Grundvoraussetzung. Genau dieser gesunde, natürliche Weg, diese tägliche Arbeit am Handwerk Singen entfachen in mir große Begeisterung. Man muss sich bewusst sein, dass die Stimme ein großes Geschenk ist. Mein ganz persönliches Ziel ist es, alle Emotionen, Empfindungen und Botschaften ohne körperliche Hindernisse in Töne und Musik zu verwandeln. Wenn das gelingt, beginnt Musik zu berühren.


Seit Herbst 2016 bist du Ensemblemitglied in der Wiener Staatsoper, also hauptberuflich Opernsänger. Welchen Stellenwert haben für dich Liedgesang und Konzert?
Der Sängerberuf basiert für mich auf drei gleichbedeutenden Säulen: der Opernbühne, dem Konzertbereich und dem Liedgesang. Ich möchte die Stimme nach Möglichkeit immer so flexibel einsetzen können, dass alle drei Bereiche auf höchstem Niveau bewältigbar sind. In seiner reduzierten, ganz persönlichen Art und Weise ist der Liedvortrag jedoch eine besondere Herzensangelegenheit und die Königsdisziplin. Ein Klavier, ein Sänger, eine Geschichte, die es zum Leben zu erwecken gilt: Das begeistert mich!


Wie unterscheiden sich für dich Oper, Konzert und Liedgesang?
Die Oper lebt vom Gesamtkunstwerk. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen, zu spielen und in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Und mich fasziniert die Kraft des Orchesters, das Singen mit vollem Körpereinsatz. Im Konzertbereich liegt mir vor allem die Kirchenmusik am Herzen, die Passionen und die Oratorien. Zu meinen absoluten Lieblingswerken zählt das Requiem von Gabriel Fauré. Alle diese Werke haben eine unglaubliche Kraft. In beiden Bereichen fasziniert mich auch das Musizieren mit vielen anderen Menschen – immer mit dem gemeinsamen Ziel, ein geniales Werk zu gestalten und mit Leben zu erfüllen. Am Liedgesang schätze ich besonders die Eigenverantwortung als Interpret, die Möglichkeit zu gestalten, zu berühren, das Zuhören und Miteinander-Musizieren … als musikalische Einheit.


Wie ist das Programm für deinen Liederabend zustande gekommen?
Die Lieder Opus 32 von Johannes Brahms begleiten mich schon sehr lange. »Wie rafft ich mich auf« zählt zu meinen absoluten Lieblingsliedern; dazu interpretieren wir Volksliedvertonungen, die dem etwas schwermütigen ersten Teil auch eine leichtere Note geben.


Der zweite Teil steht ganz im Zeichen unserer im Sommer aufgenommenen CD »Stille und Nacht«, die bei OEHMS Classics herauskommt – ein sehr persönlich gestaltetes Konzeptalbum. Besonders am Herzen liegen mir die Lieder von Peter Cornelius aus seinem Opus 2 »Vater unser« – tief berührende Werke eines zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Komponisten.


Der Abend wird mit persönlichen Lieblingsliedern von Richard Strauss enden – fast arienhaft anmutenden Werken, die mir hoffentlich ermöglichen, die dynamische Bandbreite ganz auszureizen. Ich freu mich sehr, das wird spannend!


Du bist über eine musikalische Familie, Fußball, Chorsingen und eine Rockband zur klassischen Gesangsausbildung gekommen. Ein glücklicher Zufall?
Ich würde sagen ein sehr ungezwungener und natürlicher Zugang. Natürlich musste ich in Wien einiges an Musiktheorie und Technik aufholen. Aber die Natürlichkeit, die Liebe zur Musik und, die Freude am gemeinsamen Musizieren – das habe ich in meiner Familie gelernt. Die Rockband und das Vokalensemble haben geholfen, meine eigenen Ideen zu entwickeln. Kreativ zu sein, etwas zu gestalten, das fasziniert mich besonders. Der Fußball ist neben dem Gesang meine große Leidenschaft geblieben; eine wunderschöne Abwechslung und eine Welt, in der ich komplett abschalten kann.


Gibt es Gemeinsamkeiten, emotionale Brücken zwischen der Volksmusik, einer Rockband und klassischem Opern- und Liedgesang?
Ganz bestimmt. In allen Fällen geht es in letzter Konsequenz um ein harmonisches Zusammenspiel und darum, die Zuhörerinnen und Zuhörer zu berühren. Ich hab es oft erlebt, dass man nach jahrelangem Studium und vielen Proben auch auf höchstem Level immer nach der ungezwungenen, freien Art des Musizierens sucht. Außerdem gibt es für mich nur gut gemachte und eben nicht so gut gemachte Musik; wenn sie authentisch und berührend vorgetragen wird, ist das Genre völlig nebensächlich.


Deine Karriere ist bis heute eindrucksvoll verlaufen: Preise bei Wettbewerben, Auftritte bei den Salzburger Festspielen, in Dresden und in Madrid, das Engagement an der Wiener Staatsoper. Versuchst du, deine Karriere zu planen? Wie weit ist das überhaupt möglich?
Natürlich braucht es viel Glück: Glück, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die richtigen Menschen kennenzulernen. Aber eben auch viel Mut. Mut, alles auf eine Karte zu setzen und immer wieder ins (viel) zu kalte Wasser zu springen. Die Chancen, die man bekommt, zu nützen. Zumindest die meisten. Und aus den zahlreichen Fehlern, die man macht (und machen muss), zu lernen.


Was viele nicht bedenken ist, wie viel man für seine Leidenschaft opfert: nicht für die Karriere, um die geht es mir ganz ehrlich nicht. Mir geht es immer nur um das Singen und Musizieren selbst. Ich möchte dort auftreten, wo ich geschätzt werde und wo man mir zuhört – ob im großen Opern- oder Konzerthaus oder eben im eigenen Familienkreis, im Heimatort und im Altersheim.


Inwiefern hat sich dein Zugang zur, dein Verständnis von Musik gewandelt: von der Familienmusik und vom genießenden »Dilettanten« (diletto heißt Freude, Vergnügen) zum professionellen Sänger?
Das Verständnis hat sich nicht verändert. Gute Musik begeistert mich, berührt mich bis in die Zellen. Was sich eventuell verändert hat, sind die Rahmenbedingungen, der Druck, die Erwartungshaltung, auch die eigene. Doch am Ende geht es immer darum, die eigene Begeisterung zu transportieren. Ob auf der steirischen Harmonika, im Liedgesang oder auf der Opernbühne: Die Freude und das Vergnügen müssen immer Teil meiner Berufung sein. Sie schüren und nähren das Feuer, das mir Antrieb gibt.
 

22.11. | Mi | 19:30 Uhr | Musikverein Wien | Brahms-Saal

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